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Hungerstreik im Kinderzimmer



Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. - Landesverband Nordrhein

Wenn Kinder das Essen verweigern

Köln (ots) - "Mein Kind ißt nicht". Fast jedes fünfte Kind wird mit dieser Klage beim Kinderzeit vorgestellt. Sorgen über mangelnden Appetit bilden damit inzwischen mit den häufigsten Grund, die Kinderarztpraxis aufsuchen. "Wenn die Eltern zu uns kommen, ist der Leidensdruck meist schon groß", so die Sprecherin der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte, Dr. Sylvia Schuster. "Oft sind die Eltern und Kind bereits in einem Teufelskreis gefangen, aus dem sie kaum noch aus eigener Kraft herausfinden. Je mehr die Eltern das Kind zum Essen ermahnen, es mit Lieblingsessen und anderen Belohnungen "bestechen" oder mit Strafen bedrohen, desto mehr nörgelt das Kind an den Mahlzeiten herum und verweigert die Nahrung. Die Verweigerung von Essen wird zum Beziehungs- und zum Erziehungsproblem und überschattet das ganze Familienleben."

Dauert die Nahrungsverweigerung längere Zeit an, erbricht das Kind und leidet unter Durchfällen, wirkt müde, schlapp und lustlos und verliert an Gewicht oder wächst nicht mehr, sollte unbedingt der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden. Liegen nach der gründlichen Untersuchung des Kindes keine organischen Störungen als Ursache vor, können sich die Eltern meist selber helfen.

Gegen Appetitlosigkeit: "Erlebnisgastronomie"

"Als erstes gehören dazu Gelassenheit und Konsequenz und die Einsicht, daß das Kind vielleicht einfach nur nicht das ißt, was und wie viel die Eltern wollen", so die Düsseldorfer Kinderärztin, "Eltern und Kind müssen daher als erstes wieder lernen, daß Essen Spaß macht, daß es Genuß bereitet. Eltern sollten das Kind von früh auf selbst mit der Nahrung umgehen lassen, dabei auch akzeptieren, daß es dabei anfangs spielt kleckert und schmiert. Ebenso wichtig: gemeinsame Mahlzeiten, bei denen das Kind selbst bestimmen darf, wie viel auf seinen Teller kommt. Ohne daß die Eltern dabei extrem loben oder tadeln für gutes oder schlechtes Essen.

Im Allgemeinen reichen Kindern drei Hauptmahlzeiten und bei Bedarf kleine Zwischenmahlzeiten. Empfehlenswert sind reichlich pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse, mäßig tierische Lebensmittel wie Ei, Fleisch und Milch und möglichst wenig Fettreiches wie Frittiertes, Sahne und Schokoerzeugnisse. Zum Trinken reicht Wasser oder ungesüßter Tee. Übermäßiger Konsum von Fruchtsaft nimmt den Appetit. Dr. Sylvia Schuster: "Sogenannte Kinderlebensmittel sollten Eltern ganz vom Speiseplan streichen: zu süß, zu fett, zu wenig Mineralien und Vitamine - und zu teuer."


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