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© 2011 MZ-Verlag

Der Mensch als Teil der Natur

Ist Fortschritt immer positiv oder heißt „Fortschritt“ einfach nur so viel wie „Weiterentwicklung, sich von einem Ort wegbewegen“? Unsere Regierung setzt auf Fortschritt und geht davon aus, dass da eine tolle Entwicklung stattfindet. Manche sehen es anders, ich auch. Denn ich gehe davon aus, dass unser Gesundheitssystem krank ist. Wir müssen es heilen.

Wir – Menschen, die sich mit Ganzheitlichkeit befassen – gehen davon aus, dass es im Wesentlichen zwei unterschiedliche Weltsichten gibt: die naturkundliche und die so genannt naturwissenschaftliche. „Naturkundlich“ ist etwas, das auf Naturkunde basiert. Dabei ist der Mensch Teil eines großen Ganzen, in dem alle Einzelteile miteinander in Wechselwirkung stehen. „Naturwissenschaftlich“ ist etwas, das auf Theorien basiert, die von Menschen aufgestellt wurden und die in einem bestimmten Denksystem Gültigkeit hat. Die Naturwissenschaften wurden aus der Naturkunde entwickelt. Das frauliche und das göttliche Prinzip wurden dabei geopfert, so dass das reine menschlich-männliche Denken übrig blieb. Die meisten Anhänger dieser Wissenschaften scheinen davon auszugehen, dass ihre Lehren objektiv seien und die Wahrheit beinhalten. Diese Annahme einer Objektivität hält einer genauen naturkundlichen Prüfung nicht Stand. Mehr zu diesem Thema finden Sie in meinem Buch „Gesundheit. Gesellschaft. Krankheit“, das 2009 im Verlag DeBehr erschienen ist.

Die Naturwissenschaften beinhalten fragmentierte Weltanschauungen. Naturwissenschaftlich ist synonym (gleichbedeutend) „männlich“. Alles muss messbar sein, rational, standardisierbar, objektiv … Mensch und Tier sind unter diesem Blickwinkel Maschinenäquivalente (so etwas Ähnliches wie Maschinen). „Ganzheitlich“ bedeutet etwas Anderes nämlich: männlich, fraulich und göttlich – was „göttlich“ auch immer sein mag.

Krankheit ist Ausdruck einer Disharmonie von Individuum und Mitwelt. Diese Disharmonie entsteht: a., weil sich der Mensch auf Grund seiner psychischen Struktur entweder mit sich, mit seiner Mitwelt oder mit beidem in Unfrieden befindet oder b., weil die Natur sich verändert. Diese Veränderung vollzieht sich manchmal schnell wie zum Beispiel bei einem Vulkanausbruch oder bei einem Wirbelsturm. Wenn ein Mensch damit konfrontiert wird und er diesem Wechsel der Gegebenheiten nicht so schnell psychisch folgen kann, wie es notwendig wäre, dann ist er gesundheitlich in Gefahr. Da diese Veränderung eine Disharmonie erzeugt, muss das System verändert werden. Es muss sich neu ordnen.

Ein Beispiel:

Ein Mensch wird arbeitslos, weil „seine“ Firma ihn freisetzt. Stunden oder ein paar Tage später wird dieser Arbeitslose krank. Warum? Er befindet sich in einer Disharmonie mit seiner Mitwelt, seine vorherige Ordnung ist zerstört. Gesund wird er wieder, wenn es (ihm) gelingt, seine Harmonie wieder herzustellen. Diese kann zum Beispiel dadurch zu Stande kommen, dass der Erkrankte einen guten neuen Job findet oder, weil er sich darüber freut, dass er viel Arbeitslosengeld bekommt und nun Zeit für Dinge hat, die er lieber tun mag, als arbeiten zu gehen. Oder eine ganz andere Möglichkeit: Er verliebt sich und möchte mit ihm/ihr gemeinsam den schönen Teil des Alltags teilen.

Fazit: Menschen sind keine autonomen Einzelwesen – auch nicht, wenn sie sich als solche erleben – und keine Maschinen, sondern Teile eines großen Ganzen, indem sie sich zurechtfinden müssen und Wege finden, mit dem Rest des großen Ganzen weitestgehend in Frieden zu leben.


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Sexuelle Unlust muss keine Krankheit sein