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Sexuelle Unlust muss keine Krankheit sein

Den Wechseljahren im Leben der Frau kommt eine besondere Bedeutung zu. In dieser Zeit geht es darum, dass die Frau sich nach und nach von der Möglichkeit Mutter zu werden verabschiedet und dass sie die Möglichkeit bekommt, einen neuen Lebensweg zu beschreiten. In der Regel sind die Wechseljahre für Frauen, die ein oder mehrere Kinder geboren haben oder gerne geboren hätten, schwieriger als für Frauen, die nicht Mutter geworden sind und es auch nicht wollten. Viele Mütter identifizieren sich stark mit ihrem Muttersein. Und dieses Muttersein beinhaltet, dass sie in der Lage sind, auch weiterhin Kindern den Weg ins irdische Leben zu ermöglichen. Besteht diese Möglichkeit nicht mehr, dann entsteht in vielen Fällen die Frage nach dem Sinn des Lebens: Wofür lebe ich eigentlich (noch)? In manchen Fällen entwickelt sich daraus eine reaktive Depression. Dieses Thema tritt zum Beispiel auch zu Tage, wenn sich eine Frau die Gebärmutter und/oder die Eierstöcke hat entfernen lassen müssen.

Ich bleibe in meiner Betrachtung jetzt beim Normalfall: Die Frau kommt in die Jahre, in denen die Möglichkeit Mutter zu werden erlischt. Dieses Erlöschen ist meiner Meinung nach von der Natur recht sinnvoll eingerichtet. Ausgangspunkt ist, dass das werdende Leben es wirklich gut haben soll, wenn es ins irdische Sein tritt. Es soll durch eine Mutter, die sich im Vollbesitz ihrer körperlichen und psychischen Kräfte befindet, zur Welt gebracht werden. So ist es für den neuen Erdenbürger das Beste.

Es ist allgemein bekannt, dass Menschen, die älter werden, körperlich nicht mehr so leistungsfähig fähig sind und es auch nicht mehr sein müssen. Was allerdings nicht alle wissen ist, dass die Natur ab einem bestimmten Zeitpunkt festlegt, dass die körperliche Qualität nicht mehr ausreichend ist, um dem Kind das Beste zu bieten. Dadurch verschiebt sich in der Frau die Betonung der Bedürfnisse von der körperlichen auf die geistige Ebene. Das heißt, dass durch die zunehmende Unfähigkeit, Kinder in die Welt setzen zu können, die Fähigkeit spirituell zu erleben zunimmt. Die Natur gibt der Frau durch die Wechseljahre in besonderem Maße die Möglichkeit, ihre spirituelle Entwicklung voranzutreiben.
Durch das Auflösen sexueller Bedürfnisse werden Freiräume geschaffen. Diese können durch unterschiedliche geistige und/oder körperliche Betätigungen ausgefüllt werden. In vielen Fällen eignen sich dazu schöpferisch-kreative Tätigkeiten wie Musizieren, Malen, Schreiben, Bildhauern oder Plastikern, Gärtnern oder ähnliches. Des Weiteren eignen sich Verreisen und Wandern sowie soziale Tätigkeiten (zum Beispiel Nachbarschaftshilfe) dafür auch weiterhin Zufriedenheit im Leben zu erlangen. Wichtig bei all diesen Aktivitäten ist, wie ich denke, zu berücksichtigen, dass dieser neue Lebensabschnitt in der „Wir-Phase“ des Lebens beginnt. Daraus ergibt sich, dass der Kontakt zu anderen Menschen und der Austausch mit ihnen von besonderer Wichtigkeit sind. Dabei steht das „Wir“ im Vordergrund. Dieses „Wir“ geht über das vorher gelebte „Wir“ einer Partnerschaft, das eigentlich ein „Ich + Du“ ist, hinaus. Daraus ergibt sich, dass alle Menschen gleich wichtig sind, wenngleich deshalb nicht alle Beziehungen gleich sind. Wie nahe wir diesem Ziel kommen, mag jeder – Frau wie Mann – selbst herausfinden.

Heilpraktiker Raimar Ocken


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