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Endometriose wird zu wenig und zu spät erkannt

Quebec (ots) - Auf dem VI. Weltkongreß über Endometriose im kanadischen Quebec wurden neue Forschungsergebnisse zu dieser Krankheit vorgetragen, deren Fazit es ist, daß sie zu wenig und zu spät diagnostiziert wird. (Das Endometrium ist die Schleimhaut der Gebärmutter. Als Endometriose wird ihr anomales Auftreten außerhalb des Uterus bezeichnet).

Die Umfrage unter Patientinnen der Endometriose wurde von der Vereinigung für Endometriose in den USA und Kanada durchgeführt, die am 29.Juni darüber berichtete. Die Krankheit wird nicht, so das Fazit, ausreichend früh diagnostiziert und entsprechend behandelt. Zeitlich quantifiziert, ergab sich, daß die Erkennung und Diagnose bei den betroffenen Frauen und Mädchen und seitens der behandelnden Ärzte im gewichteten Mittel eine Verzögerung von rund neun Jahren aufweist (es dauert 4,67 Jahre, bis eine Betroffene den Arzt zu Rate zieht, und nochmals 4,61 Jahre, bis dieser die zutreffende Diagnose stellt). Auf die Umfrage hatten 4.000 Patientinnen geantwortet. Fast die Hälfte sagten, sie hätten ihren Arzt fünf Mal oder öfter aufsuchen müssen, bevor die richtige Diagnose erstellt oder sie zum Facharzt überwiesen wurden.

Die Umfrage wollte auch wissen, welche Symptome die Betroffenen feststellten. 95 Prozent der 4.000 Antwortenden nannten Menstruationsschmerz, 87 Prozent anomale Müdigkeit. Zum Grad der Schmerzen gaben sieben von zehn Leidenden mittel bis schwer an, weitere 20 Prozent sagten, der Schmerz könne von leicht zu schwer variieren.

Die Amerikanerin Ms. Mary Lou Ballweg, Präsidentin der Vereinigung für Endometriose, sagte: "Viele Ärzte halten Unfruchtbarkeit für das Hauptsymptom der Endometriose. Dieses Symptom ist zwar sehr wichtig, aber die Schmerzen, die viele Patientinnen erleiden, sind unbeschreibbar. Die von uns erlangten Daten zeigen, daß die Mehrzahl unserer Mitglieder während der Menstruation und des Eisprungs solche Schmerzen erleiden".

Zu weiteren häufigen Symptomen, die an Endometriose leidende Frauen feststellen, gehören: Durchfall und Schmerzen in den Eingeweiden (85 Prozent) und Aufblähungen im Magen/Darmbereich (84 Prozent); zwei Drittel nannten schwere Blutungen, Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs oder danach, Übelkeit und Magendrücken sowie Taumeligkeit oder Kopfschmerzen.

Auch wenn die Endometriose eine gutartige Krankheit ist, so die Mitteilung der Vereinigung weiter, wirkt sie doch für viele Betroffene ernstlich störend und behindernd und versagt ihnen eine normale Lebensführung. Ms Lone Hummelshxj, Europa-Vertreterin der Endometriose-Vereinigung und selbst seit der Pubertät an der Krankheit leidend, mußte eine sehr erfolgreiche berufliche Laufbahn wegen der Behinderungen durch die Krankheit aufgeben.

Sie erläuterte dazu: "Meine Lage ist nicht untypisch. Unsere Umfrage hat dies für 79 Prozent der Antwortenden bestätigt. Sie sind außerstande, ein normales Leben zu führen. Ein Viertel dieser Patientinnen gab an, pro Monat zwischen zwei und sechs Tagen leistungsunfähig zu sein. Das kann sich volkswirtschaftlich nur erheblich negativ auswirken".

Endometriose-Experten vermuten Zusammenhänge zwischen der Krankheit und Allergien; und die neuen Umfragedaten besagen tatsächlich, daß mehr als die Hälfte der Erfaßten an Allergien leiden, die mit Pollenflug und Allergenen der Art des "Heufiebers" zusammenhängen. Dazu kommentiert Dr.Ray Garry von der Universitätsklinik St.James im britischen Leeds, ein Experte für Endometriose:
"Die Endometriose ist eine ernste Situation, die als solche behandelt werden sollte. Diese neuesten Zahlen besagen, daß wir noch viel tun können und müssen, um diesen Patientinnen ihr Los zu erleichtern. Uns stehen bewährte und wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung. Kurzfristig können Medikamente wie GnRH-Analoge erfolgreich angewandt werden, langfristig scheint jedoch die laparoskopische Radikalentfernung der Endometriose am vorteilhaftesten zu sein".

Dessen ungeachtet haben fast zwei Drittel der Antwortenden angegeben, ihre Symptome bei erstmaligem Auftreten als normal empfunden zu haben. Knapp ein Viertel hatte den Verdacht auf Endometriose schon vor der Diagnose durch den Arzt oder Facharzt. Dies beruhte darauf, daß diese Frauen in der Tageszeitung oder einer Zeit schrift einen Artikel über die Endometriose gelesen, eine Freundin oder Bekannte hatten, die daran litt, oder mit einer Freundin oder Verwandten über das Thema gesprochen hatten.

Abschließend wieder Ms Ballweg: "Die Endometriose ist eine sehr ernste Störung, die von der Gesellschaft insgesamt, den Ärzten und der Wissenschaft auch ernst genommen werden sollte. Auch wenn die Umfrage darüber geteilte Meinungen ergab, ob die Ärzteschaft hilfreich ist oder nicht, haben die meisten Antwortenden doch den Eindruck, daß ihre Symptome ärztlicherseits nicht sehr ernst genommen werden. Fast zwei Dritteln wurde vom Arzt gesagt, daß ihnen nichts fehle, während sie tatsächlich an Endometriose leiden. Notwendig ist, daß jedermann in der Gesellschaft umdenkt und die Störungen nicht als bloße "Frauen-Wehwehchen" abtut".


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