|
Kinder sterben an gefährlichen Bakterien in Lebensmitteln
Stuttgart (ots) - Die Bedrohung durch die aggressiven, besonders für Kinder potentiell lebensgefährlichen EHEC-Bakterien in Lebensmitteln ist größer als bisher angenommen.
Dies berichtet der ehemalige Spiegel-Redakteur und Fachautor Hans-Ulrich Grimm in seinem neuen Buch "Aus Teufels Topf. Die neuen Risiken beim Essen", das jetzt im Verlag Klett-Cotta erschienen ist.
Als Ansteckungsquelle galt in Deutschland bislang vor allem Rohmilch und ungenügend erhitztes Fleisch. Neueren Erkenntnissen zufolge sei, so Grimm, nach seinen Recherchen in Deutschland, Japan und Amerika, eine Ansteckung jedoch auch über Gemüse, Fruchtsäfte, ja sogar, wie Fälle in den USA gezeigt hätten, über das Trinkwasser möglich.
Die Erreger, eine aggressive Variante ansonsten harmloser E.coli-Bakterien, stammen aus dem Verdauungstrakt von Rindern, und können zu Durchfällen, Nierenversagen und sogar zum Tode führen.
Besonders besorgt seien deutsche Seuchenexperten über die rasche Ausbreitung der Erreger. Sie seien Anfang der 90er Jahre bei nur 5 Prozent der deutschen Rinder nachzuweisen gewesen, 1997 schon bei jedem dritten. Zudem könnten sie auch in Pflanzengewebe eindringen und seien dann auch durch gründliches Waschen nicht zu entfernen.
Auch die Behörden seien beunruhigt: Vor allem die Fähigkeit des Erregers "zur ungehemmten Ausbreitung", so zitiert Grimm aus amtlichen Untersuchungen, gebe "zur Sorge Anlaß". Nach offiziellen Statistiken sei die Zahl der Erkrankungen im ersten Halbjahr 1999 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum bundesweit um 12 Prozent gestiegen, von 1315 auf 1486 Fälle. In Westdeutschland lag der Anstieg gar bei 50 Prozent.
In etwa ein bis vier Prozent der Fälle führt die Erkrankung zum Tod, was allein im ersten Halbjahr 1999 in Deutschland bis zu 56 Todesfällen, vor allem von Kindern, entspricht. Die EHEC-Keime fordern demnach, Grimm zufolge, weitaus mehr Todesopfer als der BSE-Erreger.
Ursache für die EHEC-Ausbreitung ist, wie bei der Tierseuche BSE, die industrielle Tierhaltung, vor allem die dabei übliche Fütterung von Rindern mit Getreide. Bei artgerechter Fütterung mit Heu oder Gras dagegen sterben die Bakterien fast vollständig ab und können den Menschen somit nicht mehr gefährlich werden.
|
 |

Aus Teufels Topf - Die neuen Risiken beim Essen
|
|